Kaltplasma-Wundtherapie: Ergänzende Option in der modernen Wundversorgung
Kaltplasma ist ein physikalisches Verfahren, das in der Wundversorgung als ergänzender Therapiebaustein eingesetzt werden kann. Bei Viventem nutzen wir Kaltplasma bei geeigneter Indikation – immer eingebettet in ein strukturiertes Wundmanagement und in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten.
Was ist Kaltplasma?
Kaltplasma ist – physikalisch betrachtet – der vierte Aggregatzustand der Materie, neben fest, flüssig und gasförmig. Es entsteht, wenn einem Gas (zum Beispiel Umgebungsluft) elektrische Energie zugeführt wird. Dabei bilden sich reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, schwache elektrische Felder, geringe Mengen UV-Licht und etwas Wärme.
Der Zusatz „kalt“ bezieht sich auf die Temperatur: Das Plasma bleibt im Bereich der Körpertemperatur und ist dadurch für die Anwendung auf der Haut und auf Wunden geeignet. In der Wundversorgung kommen zertifizierte Medizingeräte zum Einsatz – bei Viventem das System PlasmaDerm®.
Wie wirkt Kaltplasma?
In der Wundversorgung wird das Kaltplasma direkt auf der Wundoberfläche erzeugt. Über reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen sowie schwache elektrische Felder kann es an verschiedenen Stellen gleichzeitig ansetzen.

Im Zusammenspiel kann Kaltplasma:
- die Keimlast auf der Wundoberfläche reduzieren – auch bei mehrfach resistenten Erregern
- die Mikrozirkulation in der Wundumgebung anregen
- die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessern
- beim Übergang aus einer chronischen Entzündungsphase unterstützen
- Wundgeruch und Juckreiz lindern
Die genannten Effekte sind in Studien dokumentiert. Wie stark sie sich im Einzelfall auswirken, hängt von der individuellen Wundsituation und vielen weiteren Faktoren ab.
Wann ist Kaltplasma sinnvoll?
Ob Kaltplasma im Einzelfall in Frage kommt, klären wir auf Basis der Wundanalyse und in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt. Die folgende Übersicht zeigt typische Indikationen sowie Situationen, in denen Kaltplasma nicht angezeigt ist.
Geeignete Anwendungsgebiete
- chronische und schwer heilende Wunden mit stagnierendem Verlauf
- Wunden mit auffälliger Keimbesiedlung, auch bei mehrfach resistenten Erregern
- Ulcus cruris (venöses oder gemischtes offenes Bein)
- diabetisches Fußsyndrom (in enger Abstimmung mit dem behandelnden Diabetologen oder Wundarzt)
- Dekubitus
- postoperative oder traumatisch bedingte Wundheilungsstörungen
Wann Kaltplasma nicht angezeigt ist
- bei aktivem Tumorgeschehen im Behandlungsareal
- in unmittelbarer Nähe zu implantierten elektronischen Geräten (z. B. Herzschrittmacher) – hier ist eine individuelle Risikoabwägung erforderlich
- bei akuten Wundinfektionen, die eine sofortige ärztliche oder antibiotische Behandlung erfordern
- bei nicht abgeklärten, neu aufgetretenen Hautveränderungen im Wundbereich
Was Kaltplasma nicht ist
Kaltplasma ist eine ergänzende Therapieoption – keine Wundermethode und kein Ersatz für eine ursachenbezogene Behandlung. Für eine realistische Einordnung ist uns Transparenz wichtig:
- Kaltplasma ist keine Wundermethode. Auch in geeigneten Fällen lässt sich der individuelle Verlauf nicht im Voraus zusichern.
- Kaltplasma ersetzt keine ursachenbezogene Therapie. Bei einem Ulcus cruris venosum bleibt die Kompression zentral; bei einem diabetischen Fuß die Druckentlastung und das Diabetes-Management.
- Kaltplasma ist kein eigenständiges Verfahren, sondern ein Baustein innerhalb eines strukturierten Wundmanagements – einschließlich Wundanalyse, geeigneten Wundauflagen und enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.
- Eine Heilung kann nicht garantiert werden. Der Verlauf hängt von der Grunderkrankung, der Mitwirkung der Patientin oder des Patienten und weiteren individuellen Faktoren ab.
Ablauf einer Kaltplasma-Behandlung
Eine Behandlung läuft in zwei Intervallen zu je 90 Sekunden ab. Wir legen das Handstück mit dem passenden Spacer auf die gereinigte Wunde auf und starten den Therapiezyklus. Die Anwendung ist in der Regel kaum spürbar – das Plasma ist physikalisch „kalt“ und bleibt im Bereich der Körpertemperatur.

Zwei Spacer für unterschiedliche Wunden
Über austauschbare Spacer lässt sich die Behandlung an Größe und Lage der Wunde anpassen:
- Flex – für großflächige Wunden
- Cutan – für kleine, punktuelle oder schwer zugängliche Wunden
Praktisch: kein separater Termin
Die Kaltplasma-Behandlung findet im Rahmen des regulären Verbandwechsels statt. Wir verbinden beide Schritte in einem Termin – Sie müssen für die Therapie keine zusätzlichen Wege auf sich nehmen.
Wie lange dauert eine Kaltplasma-Therapie?
Die Gesamtdauer richtet sich nach dem individuellen Wundverlauf. Bei chronischen Wunden umfasst eine Behandlungsserie typischerweise acht bis zwölf Wochen, mit Sitzungen im Rhythmus des Verbandwechsels – in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche. Bei infizierten Wunden kann die Therapie kürzer, dafür engmaschiger angesetzt sein. Den konkreten Plan erstellen wir auf Basis der Wundanalyse und in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.
Kaltplasma in unter zwei Minuten erklärt
Das folgende Video gibt einen kompakten Überblick über das Verfahren und einen typischen Behandlungsablauf.
Kaltplasma im Rahmen unseres Wundmanagements
Bei Viventem ist Kaltplasma kein isoliertes Verfahren, sondern eine ergänzende Option innerhalb eines strukturierten Wundmanagements. Vor jeder Anwendung steht eine pflegefachliche Wundanalyse. Auf dieser Basis entscheiden wir gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, ob Kaltplasma im Einzelfall sinnvoll ist – und welche Begleitmaßnahmen (Kompression, Druckentlastung, geeignete Wundauflagen, Ernährungs- und Bewegungsberatung) den Heilungsprozess zusätzlich unterstützen.
Eine umfassende Übersicht zu unserem Wundmanagement bei chronischen und schwer heilenden Wunden finden Sie auf unserer Schwerpunktseite.
Häufige Fragen zur Kaltplasma-Wundtherapie
Die Anwendung ist in der Regel kaum spürbar. Das Plasma bleibt im Bereich der Körpertemperatur und löst weder Hitze- noch Stromempfindung aus. Manche Patientinnen und Patienten beschreiben ein leichtes Kribbeln. Bei sehr empfindlichen Wunden kann eine leichte Reizung auftreten, die nach Behandlungsende rasch abklingt.
In klinischen Untersuchungen wurden keine klinisch relevanten Nebenwirkungen dokumentiert. Selten kann es zu leichten Hautrötungen im Behandlungsareal kommen. Über Risiken, mögliche Kontraindikationen und individuelle Aspekte informieren wir Sie vor Therapiebeginn ausführlich.
Die Kaltplasma-Sitzungen finden im Rhythmus des regulären Verbandwechsels statt – meist zwei- bis dreimal pro Woche. Sie vereinbaren also keine separaten Termine, sondern wir verbinden Wundversorgung und Kaltplasma-Therapie in einem Termin.
Die Kostenübernahme ist im Einzelfall zu prüfen. Kaltplasma ist derzeit nicht generell als Kassenleistung gelistet. In bestimmten Konstellationen, etwa im Rahmen einer komplexen Wundversorgung mit ärztlicher Verordnung, können Teilleistungen erstattungsfähig sein. Sprechen Sie uns konkret an – wir besprechen Ihre individuelle Situation.
Erste sichtbare Veränderungen können sich nach mehreren Sitzungen zeigen – etwa eine sauberere Wundoberfläche, weniger Wundgeruch oder eine ruhigere Wundumgebung. Wie schnell und in welchem Umfang ein Heilungsfortschritt eintritt, hängt von der individuellen Wundsituation, der Grunderkrankung und weiteren Faktoren ab.
Für die Behandlung im Rahmen einer chronischen Wundversorgung liegt in der Regel eine ärztliche Verordnung (HKP, Formular 12) vor, auf deren Basis die strukturierte Wundversorgung erfolgt. Über die genauen Voraussetzungen und Schritte informieren wir Sie im Beratungsgespräch.
Wundberatung anfragen
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