Diabetischer Fuß: Wundversorgung beim diabetischen Fußsyndrom
Wunden im Bereich des Fußes können sich bei Diabetes mellitus anders verhalten als gewohnt: oft schmerzarm, manchmal lange unbemerkt – und mit besonderem Versorgungsbedarf. Beim Wundzentrum Viventem versorgen wir das diabetische Fußsyndrom strukturiert und in enger Abstimmung mit Ihrem behandelnden Arzt, Diabetologen oder Podologen.
Was ist das diabetische Fußsyndrom?
Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Es umfasst alle krankhaften Veränderungen am Fuß, die im Zusammenhang mit einer langjährigen Diabetes-Erkrankung stehen – von kleinen Druckstellen und Hautrissen bis hin zu tiefen, schwer heilenden Wunden, die auch Sehnen und Knochen betreffen können.
Charakteristisch ist die Kombination zweier Faktoren: Eine diabetische Polyneuropathie (Nervenschädigung) reduziert das Schmerzempfinden im Fuß. Druckstellen, kleine Verletzungen und beginnende Wunden bleiben dadurch oft lange unbemerkt. Gleichzeitig kann eine eingeschränkte Durchblutung in kleinen und mittleren Gefäßen die Heilung erschweren.
Aus diesem Grund ist eine frühzeitige fachliche Beurteilung beim diabetischen Fußsyndrom besonders wichtig. Je früher eine Wunde strukturiert versorgt wird, desto besser sind in der Regel die Aussichten auf einen positiven Heilungsverlauf.
Warnsignale: Wann zum Wundzentrum?
Beim diabetischen Fußsyndrom gilt: Lieber einmal zu früh als zu spät einen Fachblick einholen. Wir empfehlen eine fachliche Beurteilung in den folgenden Situationen:
- jede neue Wunde am Fuß oder an den Zehen, auch wenn sie klein erscheint
- Druckstellen, dicke Hornhaut oder Schwielen mit dunklerer Verfärbung darunter Hautrisse, Blasen oder Einrisse zwischen den Zehen
- eingewachsene Nägel oder Pilzbefall im Bereich der Nägel
- Veränderungen der Hautfarbe – etwa Rötung, bläuliche oder schwärzliche Verfärbungen
- Schwellungen, Überwärmung oder ungewohnter Geruch am Fuß
- Wunden, die nach ein bis zwei Wochen keine erkennbare Heilungstendenz zeigen
Hinweis: Bei akuten Symptomen wie zunehmenden Schmerzen, Fieber oder sich ausbreitender Rötung ist eine ärztliche Abklärung erforderlich. Die Versorgung durch Viventem ersetzt keine ärztliche Behandlung.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, ein diabetisches Fußsyndrom zu entwickeln oder schwer heilende Fußwunden zu bekommen:
- langjährige oder unzureichend eingestellte Diabetes-Erkrankung
- diabetische Polyneuropathie mit reduziertem Schmerz- und Druckempfinden
- periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) mit verminderter Durchblutung
- Fußdeformitäten wie Hallux valgus, Hammerzehen oder Charcot-Fuß
- Hornhaut, Schwielen oder eingewachsene Nägel
- ungeeignetes oder zu enges Schuhwerk
- Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel
- frühere Fußwunden oder bereits durchgeführte Fußoperationen
Bei mehreren Risikofaktoren ist eine engmaschige fußärztliche oder podologische Kontrolle besonders wichtig – im Zusammenspiel mit dem behandelnden Diabetologen und gegebenenfalls einem spezialisierten Wundzentrum.
So versorgen wir den diabetischen Fuß
Beim diabetischen Fußsyndrom wirken viele Faktoren zusammen – entsprechend strukturiert ist unsere Versorgung. Im Zentrum stehen vier Bausteine: Analyse, Druckentlastung, Wundbehandlung und, bei geeigneter Indikation, ergänzende Verfahren.
Wundanalyse und ärztliche Abstimmung
Vor jeder Behandlung steht eine pflegefachliche Wundanalyse: Wundgröße, Wundgrund, Umgebung, Exsudat, Schmerzempfinden und Infektionszeichen werden systematisch erfasst. Vorbefunde, aktuelle Diabetes-Einstellung (HbA1c), Medikation und Begleiterkrankungen fließen in die Beurteilung ein. Die Erkenntnisse besprechen wir mit dem behandelnden Diabetologen, Hausarzt und – wenn erforderlich – mit Gefäßchirurgen oder diabetologischen Schwerpunktpraxen.
Druckentlastung
Druckentlastung ist beim diabetischen Fußsyndrom oft der entscheidende Hebel. Ohne sie kann eine Wunde unter wiederholter mechanischer Belastung kaum heilen. Wir beziehen orthopädische Schuhmacher und Podologen in den Versorgungsplan ein und sprechen Empfehlungen aus – von Filzpolstern und Entlastungsschuhen bis zu individuell angepasstem Schuhwerk.
Wundbehandlung
Die eigentliche Wundbehandlung umfasst die strukturierte Wundreinigung (Débridement nach Indikation), den geeigneten Wundverband und die Auswahl moderner Wundauflagen entsprechend dem Wundstadium. Bei Anzeichen einer Infektion stimmen wir uns eng mit dem behandelnden Arzt ab und passen die Versorgung entsprechend an.
Kaltplasma als ergänzende Option
Bei stagnierenden Wundverläufen kann eine Kaltplasma-Anwendung im Rahmen unseres Wundmanagements erwogen werden. Sie ersetzt keine Druckentlastung und keine Diabetes-Einstellung, kann aber bei geeigneter Indikation die Wundheilungsbedingungen am Fuß zusätzlich unterstützen.

Was Sie selbst tun können
Eine konsequente Selbstfürsorge ist beim diabetischen Fußsyndrom ein entscheidender Faktor. Folgende Maßnahmen unterstützen Vorbeugung und Heilung:
- tägliche Kontrolle der Füße auf Druckstellen, Rötungen, Risse und Verfärbungen – bei eingeschränkter Sicht mit einem Spiegel oder durch Angehörige
- gut sitzende, weiche Schuhe ohne drückende Nähte und bei Bedarf orthopädisch angepasstes Schuhwerk
- nahtlose, atmungsaktive Strümpfe ohne einschnürende Bündchen, täglich wechseln
- Hautpflege mit milden, harnstoffhaltigen Cremes bei trockener Haut – Zehenzwischenräume aussparen, um Pilz vorzubeugen
- Fußpflege ausschließlich durch medizinische Fußpfleger (Podologen) – keine scharfen Klingen oder Hornhauthobel zu Hause
- nicht barfuß laufen, auch nicht in der Wohnung konsequente Blutzucker-Einstellung gemeinsam mit Hausarzt oder Diabetologen
- Rauchstopp und ausreichend Bewegung im verträglichen Rahmen bei jeder Veränderung am Fuß zeitnah Kontakt zu Hausarzt, Diabetologen oder Wundzentrum aufnehmen
Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig. Wir beraten Sie gern.
Im Rahmen unseres Wundmanagements
Das diabetische Fußsyndrom ist eine besonders anspruchsvolle Form chronischer Wunden, gehört aber zum breiteren Feld unseres Wundmanagements. Bei Viventem versorgen wir das gesamte Spektrum chronischer und schwer heilender Wunden – strukturiert, individuell und immer in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten.
Eine umfassende Übersicht zu unserer Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden finden Sie auf unserer Schwerpunktseite.
Häufige Fragen zum diabetischen Fußsyndrom
Frühe Hinweise sind Druckstellen, Hautrisse, Schwielen mit Verfärbungen, Veränderungen der Hautfarbe, Schwellungen oder ein ungewohnter Geruch am Fuß. Auffällig ist auch ein reduziertes Schmerz- oder Druckempfinden. Da Wunden beim diabetischen Fuß oft schmerzarm verlaufen, empfehlen wir die tägliche Sichtkontrolle – bei eingeschränkter Sicht mit einem Spiegel oder durch Angehörige.
In vielen Fällen ja – wenn die Wunde frühzeitig und strukturiert versorgt wird. Entscheidend sind die ursachenbezogene Therapie (Diabetes-Einstellung, Druckentlastung, gegebenenfalls gefäßmedizinische Abklärung), die geeignete Wundversorgung sowie die Mitwirkung aller Beteiligten. Verlauf und Aussichten lassen sich erst nach einer individuellen Wundanalyse einschätzen.
Wir empfehlen eine fachliche Beurteilung, sobald eine neue Wunde am Fuß auftritt – auch wenn sie klein erscheint. Bei zunehmender Rötung, Schwellung, ungewohntem Geruch oder Fieber sollten Sie umgehend Hausarzt oder Notfallambulanz kontaktieren. Eine frühzeitige Vorstellung verbessert die Heilungsaussichten deutlich.
Bei aktivem DFS oder erhöhtem Risikoprofil sind orthopädisch angepasstes Schuhwerk oder Entlastungsschuhe häufig ein zentraler Baustein der Versorgung. Wir empfehlen geeignete Lösungen in Abstimmung mit Ihrem behandelnden Arzt sowie mit orthopädischen Schuhmachern und Podologen vor Ort.
Bei aktiven Wunden findet die Versorgung im Rahmen des Verbandwechsels statt – meist zwei- bis dreimal pro Woche. Der konkrete Rhythmus richtet sich nach Wundzustand, Therapiephase und individueller Situation. Den Plan besprechen wir mit Ihnen und den behandelnden Ärzten.
Die strukturierte Wundversorgung beim diabetischen Fußsyndrom erfolgt in der Regel auf Basis einer HKP-Verordnung (Formular 12) durch den behandelnden Arzt und ist eine Kassenleistung. Zu ergänzenden Verfahren wie Kaltplasma sowie zu individuellen Abrechnungsfragen informieren wir Sie im Beratungsgespräch.
Wundberatung anfragen
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